Tagebuch einer außergewöhnlichen, schwäbisch-französischen Begegnung in 9 Etappen, 6 Regionen und 1180km

Tagebuch der Familiengruppe

Familienradtour Thannhausen-Mortain

Dienstag, 13. August 2019
3 Herren und eine Dame, das Team der Profifahrer, trifft sich vor dem Rathaus. Es ist 9.30 Uhr, Sonnenschein, ein guter Tag die Tour über 1180km zu beginnen. Nochmals Gepäckkontrolle, Tourwesten angelegt, ein letzter Toilettengang im Rathaus. Die Nervosität steigt. Eigentlich war noch ein Kaffee geplant. Doch die winkenden Damen aus dem Baureferat machen den Aufbruch dringend! Ist doch ihr Chef einer der Profifahrer.

Profiradtour

Mittwoch, 14. August 2019
Abends um 22.30 Uhr: haben wir alles? Fahrräder, Decken, Stühle, Campingtische, Proviant, Gastgeschenke, Routenplan...der Kopf und der Rücken schmerzt, - Schmerztabletten! Ab ins Bett.

Donnerstag, 15. August 2019
Servus, Pfia Gott und gute Reise
7.30 Uhr, Feiertag, Maria Himmelfahrt - eigentlich Zeit für den Kirchgang. Hänger ankuppeln und ab zum Treffpunkt Rathaus. Gruppenfoto. Dann setzt sich die Fahrzeugflotte in Bewegung. Ab geht's, ciau und salut, auf geht's nach Waltenheim-sur-Zorn, am Sportplatz. Sehen vor lauter Hausbooten auf dem Rhein-Marne-Kanal den Sportplatz nicht. Ehrenrunde für Johannes! Nach Ankunft der Profiradler, erst mal Brotzeit machen - alles was der heimische Garten und Kühlschrank hergibt. Darauf einen Müsliriegel und schon sind alle startklar.

Die Kinder machen sich auf en Weg
Diese 23 km der Tour sieht man Schiffe, Schleusen, Warten bei Sonnenschein, aber starker GegenwindSehenswürdigkeiten auf dem Weg

In der Zwischenzeit mit Gerry den Randanhänger zum Campingplatz gefahren. Gute Plätze, und liebe Nachbarn. Danach warten, warten, warten. Alle Zelte sind aufgebaut, Ingrid kocht eine Maultaschensuppe. Der kleine Spielplatz vis-à-vis ist perfekt für unsere Kiddies und schnell kommt die Nacht und in den Zelten gibt es ab und an ein Taschenlampengefunzel. Dann gute erste Nacht.

Freitag, 16. August 2019
Unsere Profis fahren fast unbemerkt um 6.45 Uhr ab. Die ersten Croissants, Baguettes und Pain de Chocolat sind richtig lecker. Zur Abfahrt eilt es. Wir beschließen das Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzwiller am Kanal zu besuchen. Es ist einzigartig in Europa und ersetzt 17 Schleusen. Dort angekommen haben wir Glück - gerade werden zwei Schiffe 44,55m nach oben gehoben.

Schiffshebewerk Saint-Louis Arzwiller
In Windeseile entdecken unsere Kids eine Rodelbahn vom Berg zum See. Florian spendiert spontan zehn Fahrten. Das "Damenprogramm" stellt alle zufrieden und rundet die rasante Abfahrt auch für die Kinder ab - dort konnten wir einem Glasbläser bei seiner Arbeit zusehen.

RodelbahnGlasbläser beid er Arbeit
Abfahrt nach Nancy. Johannes findet einen kostenlosen Parkplatz am Kanal, eine Nachricht der Profigruppe eilt uns voraus: sie sind 10km vor Nancy!! Wir treffen auf dem Parkplatz Raimund mit seiner Truppe. Für die drei Männer ist die Stimmung zufriedenstellend, für Antonie ist die erste Schmerzgrenze in den Bergen um Nancy erreicht. Sie kommt mit uns, zuerst auf einen Spaziergang in die Stadt.

Treffen mit den Profis.

Ein leckeres Eis belohnt den strapaziösen Tag und alle sind glücklich.

Nur Gerry und Danieks sind "Schwund"...am Lac du Der treffen wir uns am Campingplatz glücklicherweise wieder.

Müde Radfahrer

Samstag, 17. August 2019
Jetzt tritt ein was schon befürchtet: Regen! Trotzdem schließt sich Antonie nach der kurzen Pause wieder der Profigruppe an. Trotzdem lassen sich die Kinder nicht vom Radeln abhalten und machen den Campingplatz unsicher. Zum Glück gibt es ein Schwimmbad auf dem Campingplatz. So sind abends alle müde und picobello sauber.

 

Sonntag, 18. August 2019
Paris, wir kommen!
Alle schlafen noch, nur eine ist schon fleißig, Evi macht Morgenfotos, als Erinnerung an den Lac du Der! Der Himmel sieht für vielversprechend aus. Wir drängen zum Aufbruch, nur 260km liegen vor uns! Noch ein Foto, tanken, Brot kaufen, tanken und Navi neu programmieren. Die "Gelbwesten" der Partnerschaft sind zur abenteuerlichen Fahrt durch Paris gerüstet Johannes und Katharina führen hervorragend und umsichtig. Paris ist voller Touristen, kaum Platz zum Durchkommen! Allein Johannes kennt die vielen Wege und Straßen, die Erwachsenen haben die Sicherheit an den Ampeln und Absperrungen im Blick. Es läuft, als wäre es nicht das erste Mal Mit den gelben Westen werden wir von den Autofahrern schon vom weitem wahrgenommen. Auch für die Gruppenmitglieder eine praktische Orientungshilfe! Ein großer Dank geht an unseren Bürgermeister Schwarz, der sie der Gruppe spendiert hat . Erst abends um 20.30 Uhr sind wir von unserer erlebnisreichen Tour durch die Hauptstadt zurück. Die Profigruppe stößt spätabends auch noch dazu und hilft gleich bei einer Reifenpanne. 

Paris_Familie1
Paris_Familie

Paris_Familie2
Montag, 19. August 2019
Nach dem langen Tag lassen wir es heute erst einmal gemütlich angehen. Der übervolle Campingplatz lehrt uns beim Waschhaus: Anstehen, anstehen, anstehen. Die nächste Etappe Mayenne liegt 250km entfernt - dazwischen machen wir eine kurze Picknickpause im Park der Schlosskapelle von Dreux. Am Campingplatz in Mayenne wird die schwäbische "Abordnung" herzlich begrüßt - uns erwartet ein großer Zeltplatz, Willkommenstrunk und regionale Spezialitäten!

Picknick

Dienstag, 20. August 2019   Mayenne – ein Landstrich, eine Stadt und ein gleichnamiger Fluss!

Der Morgen in der Mayenne beginnt mit Wildtaubengegurre! Welch eine Ruhe auf dem Platz, man könnte noch lange vor sich hin dösen, aber der Tag bringt einige logistische Probleme. Ein Auto funktioniert nicht so richtig, deshalb fällt die Radltour an der Mayenne aus. Statt dessen begeben wir uns nach Laval in eine Autowerkstatt, doch wir haben keine Chance auf fachkundige Auskunft, denn im August hat man einfach Ferien in Frankreich. Alle Werkstätten haben nur Notdienst oder sind gleich ganz zu. Wir retten die Stimmung mit einem Crepes-Essen und einem Besuch in der sündhaft teueren  Chocolaterie  Le Derf . Danach ist Zeit für den Besuch des Tatin Museums in Cossé-le-Vivien.

Bei einer Führung erfahren wir viel über den „Comic-Zeichner“ seiner Zeit, denn jedes seiner Werke hat eine Botschaft,- die meist winzig klein in monumentalen Figuren oder Zeichnungen verborgen ist.

Unsere Tour zurück führt uns durch einige Orte der schwäbischen Bezirkspartnerschaft in der Mayenne. So fahren wir durch Cossé-le-Vivien (Zaisertshofen, Tussenhausen) Changé (Ichenhausen)

und Craon (Buchenberg)

 

Mittwoch, 21. 8. 2019   Die Spannung steigt…

Wir Profis sind die ersten die am Treffpunkt Rathaus in Domfront eintreffen. Nach und nach trudeln die Familiengruppe und unsere französischen Radler und einige Komiteemitglieder ein. Großes Hallo, Bonjour und Grüß Gott vor dem Rathaus nach knapp 1100 km. Nach einer Stadtführung und einer gemeinsamen Tafelrunde im Rathaussaal, wo wir unsere Gastgeber kennen lernen durften,- begeben wir uns auf die vorerst letzte gemeinsame Etappe. Ziel ist der Gemeindesaal im Dorf Bion das zu Mortain gehört.

    

Eine Begegnung im Zeitraffer…

 

Mittwoch, 21. 8. 2019 

Eine große Gruppe, begleitet von einem Sicherheitsfahrzeug fährt auf der Dorfstraße von Domfront nach Mortain. Die Profis und die Familiengruppe,- in den gelben Westen gut zu erkennen,- radeln mit den französischen Radfreunden auf einem Abschnitt des Veloscenic auf der ehemaligen Eisenbahntrasse von Domfront nach Mortain. Empfangen werden sie mit einem großen Bahnhof. Zwei Regionalzeitungen berichten über das Ereignis und interviewen die Radler. Während des Essens unterhält ein Musikduo und der Bürgermeister Michel Desserouer hält in seiner Rede nochmals die sportlichen und kulturellen Kontakte für unerlässlich zum Gelingen einer Städtepartnerschaft. Er beglückwünschte ausdrücklich alle Teilnehmer für ihren sportlichen Einsatz und dankte allen Helfern und den beiden Komitees für die Ausführung dieser 2017 entstandenen Idee. Die deutsche Delegation mit Gertrud Zimmermann-Wejda, und Johannes Winter (Tourguide)bedanken sich für die Gastfreundschaft und würdigen das große und spannende Programm das in den nächsten Tagen auf sie warten würde

 

Donnerstag, 22. 8. 2019

Unsere französischen Komiteemitglieder fahren uns zum biologisch zertifizierten Bauernhof „Cara-Meuh, der bekannt für die Herstellung von Caramel ist . Nach einer Führung durch das Hofgelände, sehen wir bei der Caramelherstellung zu und dürfen natürlich zur Freude der Kinder probieren! Danach wartet im Hof ein typisch normannisches Picknick auf uns, das mit einem leckeren Carameldessert endet.

 

Freitag, 23. 8. 2019

Die letzte Fahrradetappe beginnt! Die Strecke zum Mt. St. Michel ist eine „Genusstour“ flach und mit Aussicht auf den im Dunst liegenden Mt. St. Michel. Die Familiengruppe hat ein Problem mit dem Begleitfahrzeug. Es streikt und bringt den Ablauf ganz gehörig durcheinander. Zwischen Salzwiesen und den neuen riesigen Parkplätzen am Damm zum Mt. St. Michel bereiten unsere Freunde ein leckeres normannisches Picknick zu. Danach ist die Radstrecke nur noch ein kurzes Stück auf der Straße. An den Parkplätzen angekommen müssen unsere Räder wieder verladen werden, denn seit der neue Zugangsdamm errichtet ist, darf auch kein Fahrrad mehr direkt an den Mt. St. Michel fahren. Jetzt ist das Abendteuer Radltour endgültig zu Ende. Geschafft vom Team Profigruppe wurden:  1201 km und 8000 Höhenmeter wurden bewältigt. Das Lichtspektakel am Abend entschädigte alle Strapazen. Weit nach Mitternacht kamen alle in ihre Quartiere.

 

Samstag, 24. 8. 2019

Wer Lust und Zeit hatte, konnte mit Michel Thebaut einen Spaziergang durch Mortain machen, oder am Barfussweg bei den Reparaturarbeiten,- ausgeführt von Richard Seber und Gottfried Fischer zusehen. Der Barfussweg musste mit neuem Holz vom Thannhauser Eichberg belegt werden. Auch einige Steine und ein Weidenabschnitt machten unserem Arbeitsteam viel Mühe. Hilfe bekamen sie vom Bauhof der Stadt. Der Abend im Töpfereimuseum in Gers war der Abschiedsabend, mit  Essen und Trinken „auf die Freundschaft“ und einer gigantischen Feuershow, die für unsere Kids wieder eine kurze Nacht garantierte. Alle Teilnehmer waren überwältigt von den schönen Tagen in Mortain, der herzlichen Gastfreundschaft und mit “ Auf Wiedersehen“ und „Au revoir!  bis zum nächsten Jahr“ endete diese Begegnung.

 

Aufgeschrieben von Gertrud Zimmermann-Wejda

 

Fotos: Heinz Dietmayer, Katharina Binder, Eva Lenk,

 

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